C. IV.1.1.3. - Bedarfsprüfung

Im Rahmen der Bedarfsprüfung muss schließlich die konkrete Marktsituation analysiert und bewertet werden. Die Kommune muss prüfen, ob für das anzubietende Produkt ein ausreichender Bedarf zu erwarten ist. Hierfür muss der sachlich relevante Markt definiert werden. Dieser besteht aus denjenigen Produkten, die aus Sicht der Marktgegenseite denselben Bedarf befriedigen, die um die Gunst des Erwerbers konkurrieren und von diesem als Bezugsalternativen und damit als gegeneinander austauschbar angesehen werden.(408) Die Bedarfsanalyse muss sich daneben auch auf den geografisch relevanten Markt erstrecken,(409) also auf den Bereich, in dem die Kommune aktiv werden und ihr Produkt vertreiben will. Dieser darf nicht zu groß sein, aber auch nicht zu klein, da ansonsten ein wirtschaftlicher Betrieb kaum möglich sein wird.(410)

Im Rahmen der Bedarfsanalyse sollte aufgezeigt werden, wofür und wieviel Energie im relevanten Markt verbraucht wird. Daneben sollten die relevanten Stoffströme dargestellt werden, um gegenseitige Abhängigkeiten offenzulegen. Ebenfalls zu berücksichtigen sind Liefer- und Abnahmesicherheiten(411) sowie bereits vorhandene Energiequellen.(412)

Daneben müssen auch potentielle Abnehmer berücksichtigt werden. Für den Aufbau eines Wärmenetzes ist es etwa relevant, ob im Gemeindegebiet potentielle Großabnehmer, wie etwa Gewerbeeinrichtungen, Schulen und andere öffentliche Gebäude liegen. Schwimmbäder sind aufgrund ihres jahreszeitlich unabhängigen Bedarfes wichtige Faktoren innerhalb der Bedarfsanalyse. Ausgehend von der ermittelten Wärmemenge und Leistung sowie der Versorgungsdichte können die eigenen Kapazitäten geplant werden.(413)

Auch bezüglich der Bedarfsanalyse muss das relevante Datenmaterial möglichst umfassend und exakt erhoben werden, um hieraus eine sachgerechte Prognose ableiten zu können. Hierbei ist zu beachten, dass die Grundlagen der Prognose vollständig von der Rechtsaufsichtsbehörde überprüft werden können (vgl. oben C.I.). Es kommt damit darauf an, dass die erfassten Tatsachen und Daten belastbar sind und auch von Dritten nachvollzogen werden können. In der Regel wird hierfür externer Sachverstand erforderlich sein.

408. Karl/Beutelmannin: Hoppe/Uechtritz/Reck, Handbuch Kommunale Unternehmen, § 15, Rn. 104.

409. Karl/Beutelmann in: Hoppe/Uechtritz/Reck, Handbuch Kommunale Unternehmen, § 15, Rn. 104.

410. Für Bioenergiedörfer wird von einer optimalen Größe von 500-1.000 Einwohnern ausgegangen, vgl. FNR, Wege zum Bioenergiedorf, S. 26.

411. Vgl. FNR, Geschäftsmodelle für Bioenergieprojekte, S. 27.

412. Vgl. AEE, Energiekonzept.

413. Vgl. FNR, Geschäftsmodelle für Bioenergieprojekte, S. 28.