Nachhaltigkeit, Enkelgerechtigkeit oder Warum das Ganze?

Nach|haltig|keit ...

ist ursprünglich ein Begriff aus der Holzwirtschaft, der beschreibt, dass nur so viel Holz gefällt werden sollte, wie im Wald wieder nachwächst. In seinem Buch "Silvicultura oeconomica" beschreibt Hans Carl von Carlowitz im Jahr 1713 wie eine "continuirliche beständige und nachhaltende Nutzung" möglich ist.

Nach den Auswirkungen des vom Club of Rome 1972 veröffentlichten Bericht "Die Grenzen des Wachstums" wurde in den 80er Jahren durch die UN die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung (Brundtland-Kommission) eingesetzt. In deren Abschluss-Dokument "Unsere gemeinsame Zukunft" aus dem Jahre 1987 wird die nachhaltigen Entwicklung "Dauerhafte Entwicklung ist Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können." definiert.

Auf dem Erdgipfel (UNCED) vom 3. bis 14. Juni 1992 in Rio de Janeiro wurden internationales Leitprinzipien vereinbart, u.a. mit dem Vereinbarungen zum Klimarahmenkonvention, der Entwicklung zum Kyoto-Protokoll und dem Handlungsprogramm Agenda21 mit dem Motto:  „Global denken – lokal handeln!“ im Grundsatz 3: "Das Recht auf Entwicklung muss so verwirklicht werden, dass den Entwicklungs-und Umweltbedürfnissen der heutigen und der kommenden Generationen in gerechter Weise entsprochen wird."

Da all diese oben genannten Definitionen etwas sperrig sind, wird beim Hausbau, Sparen oder bei der Wähleransprache gern der Begriff "Enkelgerechtigkeit" verwendet, in dem die oben genannte Inhalte mitgedacht, aber die Verwechslung mit "Dauerhaftigkeit" vermieden wird.

Der vom Club of Rome aufgebrachte Begriff "Grenzen" ist 2009 durch Johan Rockström vom Stockholm Resilience Centre zusammen mit 27 Wissenschaftlern erweitert worden. Sie definierten die "Planetarischen Grenzen" bzw. Leitplanken, indem Sie die globalen Entwicklungen, welche irrevesible Schäden verursachen können und die Bewohnbarkeit der Erde und damit die Überlebensfähigkeit der Menschheit beeinträchtigen werden über 9 Prozesse definierten. Der jeweilige Belastungstatus wurde aufgenommen.
In den Prozessen Klimawandel, Biodiversitätsverlust und Stickstoffkreislauf wird die Belastungsgrenze schon jetzt überschritten!

 

Quelle: www.stockholmresilience.org

Publikationen zum Thema Nachhaltigkeit

Hier finden Sie Hinweise auf Veröffentlichungen (Bücher, Artikel, Beiträge in verschiedenen Medien) um tiefer in den Begriff "Nachhaltigkeit" einzutauchen.

Es ist nicht egal, was Du tust - Melissa Lane in "Cicero" Nr. 12/2014, Seite 132

"Die Folgen unseres Handelns sind nie zu vernachlässigen. Plädoyer für eine Philosophie der Nachhaltigkeit.

Der Biologe Thomas Henry Huxley sagte: «Vielleicht sind alle großen Fischgründe unerschöpflich. Das bedeutet, was immer wir auch tun, es hat keinen Einfluss auf die Anzahl der Fische.» In dieser Behauptung aus dem Jahre 1883 steckt die Überzeugung, dass unser Beitrag prinipiell vernachlässigbar ist − eine Überzeugung, die die Menschen lange Zeit gegenüber allen natürlichen Ressourcen emfpunden haben. Vernachlässigbarkeit bedeutet: Die Handlungen jedes Individuums sind für das Gesamtresultat ohne erhebliche Auswirkungen. Heute wissen wir, dass im Fall des nordamerikanischen Bisons oder des Dodos auf Mauritius solche Einstellungen tragische Konsequenzen haben können. Myriaden einzelner Tötungen führten zur Auslöschung dieser Arten.

Dennoch zögern wir, wenn es darum geht, diese Erkenntnis auf andere isolierte Handlungen anzuwenden, insbesondere auf unsere individuellen Beiträge zum CO2-Ausstoß. Ebenso scheuen wir uns, sie auf andere Aspekte unseres Soziallebens anzuwenden. Wir haben uns daran gewöhnt, unsere individuellen Handlungen für vernachlässigbar zu halten, und gehen deshalb davon aus, dass wir uns um ihre Auswirkungen nicht zu kümmern brauchen.

«Negligibility», Vernachlässigbarkeit, ist mittlerweile ein präzise definierter Begriff in den Wirtschafts- und Politikwissenschaften. Er beschreibt die Annahme, dass jeder einzelne Akteur ein so unbedeutender Mitspieler ist, dass das, was er individuell tut, keine Auswirkungen auf die gesamte Gesellschaft hat.  

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