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Sanierung der Integrierten Gesamtschule „Johann Wolfgang von Goethe“

Zuwendungsbescheid des Landes M-V durch Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung Christian Pegel

02.12.2019
Sanierung der Integrierten Gesamtschule „Johann Wolfgang von Goethe“

Die Integrierte Gesamtschule „Johann Wolfgang von Goethe“ ist ein Einzeldenkmal und befindet sich im Sanierungsgebiet „Altstadt“ am südlichen Rand des historischen Stadtkerns von Wismar.

Der Landkreis Nordwestmecklenburg als Träger der IGS plant die Sanierung und Erweiterung des unter Denkmalschutz stehenden Schulgebäudes zur Kompetenzschule im Rahmen des strategischen Entwicklungsziels des Landes Mecklenburg Vorpommern. Der historische Schulkomplex gliedert sich in mehrere Gebäudeteile: das Schulhauptgebäude, der ehemalige Chor der Klosterkirchen, die Knabenbürgerschule und die Schulhöfe.

Ziel ist es, das Schulgebäude unter Beachtung des Denkmalschutzes instand zu setzen und zu modernisieren. Die Funktionalität der Schule und das vorhandene Raumangebot soll auf der Grundlage eines überarbeiteten Nutzungskonzeptes verbessert. Zusätzlich werden der Schulkomplex barrierefrei gestaltet, Schall- und Brandschutzmaßnahmen durchgeführt und ein Teil des Schulhofs neugestaltet.

Landrätin Kerstin Weiss hierzu: „Nach der Sanierung wird die Schule als Einrichtung mit spezifischer Kompetenz, für Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen des Seh-und/oder Hörsinnes sowie körperlich-motorischen Beeinträchtigungen, nutzbar sein.“

Der Schulbetrieb wird für die Zeit der Bauarbeiten, ab August 2019 für ca. zwei Jahre ausgelagert, so dass die Arbeiten ungestört erfolgen können. Für den betreffenden Zeitraum wurde ein temporäres Schulgebäude aus Raummodulen im Stadtteil Friedenshof errichtet. Hierfür sind 2,6 Millionen Euro im Haushalt des Landkreises eingestellt, wovon 1 Million Euro über Städtebaufördermittel finanziert werden.

Die Gesamtkosten der Gesamtsanierung betragen rund 17 Millionen Euro, der Baubeginn erfolgte am 17. Oktober 2019. Es werden fortlaufend Absprachen mit der unteren Denkmalschutzbehörde der Hansestadt Wismar bezüglich der denkmalgerechten Ausführung der Maßnahme getroffen. Zukünftig wird in der sanierten IGS auch die Beschulung der elften und zwölften Klassen möglich sein.

Der Architekt Sven Jantzen der MHB Architekten + Ingenieure GmbH aus Wismar informierte über den Umbau des historischen Dachstuhles und somit die Erweiterung für 4 Klassen sowie den Einbau eines Fahrstuhles. Erwähnenswert ist auch die Integration der Grabplatte des Klostererbauers in den sanierten Gebäudekomplex. Der 2x2 Meter große Gedenkstein soll zukünftig in der Nähe der Aula aufgestellt werden.

Zuwendungsbescheid des Landes M-V

Der Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung Christian Pegel übergab aus diesen Anlass heute Morgen auf der Baustelle der IGS an den Landkreis Nordwestmecklenburg Finanzhilfen aus dem Kommunalinvestitionsförderprogramm für die Sanierung der Integrativen Gesamtschule „Johann Wolfgang von Goethe“ i.d.H. von rund 7,8 Millionen €.

„Ich freue mich sehr, dass demnächst mit der Sanierung der Integrierten Gesamtschule „Johann Wolfgang von Goethe“ in der Hansestadt die Bedingungen für eine zeitgemäße Beschulung der Schülerinnen und Schüler verbessert werden können. Ich möchte Städte und Gemeinden in unserem Land zu weitgemäßen Wohn- und Arbeitsstandorten entwickeln. Dabei lege ich den Fokus verstärkt auf Einrichtungen der Bildungsinfrastruktur, aber auch auf Barrierefreiheit.“ so der Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung.

Bau- und Sanierungsgeschichte

Im Ostflügel, der ehemaligen Knabenbürgerschule, wurde nach dem Wiederaufbau bis 1999 die Kindertagesstätte „Stadtmitte“ untergebracht. In den 1990-iger Jahren erfolgten einzelne bauliche Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen. Im Zusammenhang mit einer Bauwerkstrockenlegung wurden die Sanitärbereiche und die Ausstattung des Turnraumes im Kellergeschoss erneuert.

1994 wurde der originale Dachstuhl aus Eichenholz des ehemaligen Chors instand gesetzt. 1997 erfolgten eine Hausschwammbeseitigung und der Austausch von Deckenbalken im Dachgeschoss des Schulhauptgebäudes. Gleichzeitig wurden im Zeitraum von 1996 bis 98 die Rekonstruktion der Entwässerung und die Hofbefestigung der Schulhöfe I und II ausgeführt.

Ab 1999 wurde der Bereich der Kindertagesstätte wieder der Schulnutzung zugeführt.  Hierfür wurden die Flure durch einen Durchbruch räumlich an das Schulhauptgebäude angebunden. Der Ostflügel wurde entkernt und die Klassenraumstrukturen im 1. und 2. Obergeschoss wieder hergestellt. Anschließend wurde der Gebäudekomplex mit Umbaumaßnahmen im Keller- und Erdgeschoss zur integrativen Gesamtschule zusammengeschlossen. 2004 wurde der Dachstuhl des Hauptgebäudes saniert.

Die im Hof befindlichen mittelalterlichen Gebäude wurden im Zeitraum von 2007-2011 (Musik-, Kunst- und Essenraum, Büro Sozialarbeiter) saniert, umgebaut und der Schulnutzung zugeführt. Im Jahr 2017 musste die Notsicherung der gefährdeten Gewölbedecken im Keller auf der Nord-Westseite des Schulhauptgebäudes durch den Einbau von zusätzlichen Stützen und Zugbändern und einer HDI-Unterfangung vorgenommen werden.

Geplante Sanierungs- und Umbaumaßnahmen zur Kompetenzschule

Die Integrierte Gesamtschule ist ein Einzeldenkmal, dessen Gebäudeabschnitte in der Zeit der Gotik im 14. Jahrhundert, des Neoklassizismus im 19. Jahrhundert und im Jugendstil des 20. Jahrhunderts in der südlichen Altstadt von Wismar errichtet wurden. Seit dem Mittelalter, beginnend im ehemaligen Dominikanerkloster, erfüllt der Ort bis heute seine Funktion der Lehre.

Schulhauptgebäude:
  • Unter Erhalt des historischen Dachstuhls Schadstoffsanierung und Einbau einer Technikzentrale im Dachgeschoss
  • Schadstoffsanierung im Bereich belasteter Fußbodenaufbauten
  • Trockenlegung und Abdichtung des nördlichen und westlichen Sockelbereiches
  • Statische Ertüchtigung der Westfassade und der Gewölbedecken
  • Schaffung von baulichen Brandabschnittsbereichen (Notwendige Flure, Fluchttreppenhäuser mit Rauchabzugsanlagen etc.)
  • Sanierung der WC-Anlagen und Umkleidebereiche Turnen im Kellergeschoss
  • Nachrüstung von akustisch wirksamen Wand- und Deckenflächen und taktilen Leitstrukturen für die Schüler mit körperlich-motorischen Einschränkungen
  • Reinigung der Fassade und Ergänzungen am Ziegelmauerwerk entsprechend der Beschaffenheit im historischen Bestand
  • Medaillons am Westgiebel, vollständige Rekonstruktion der Bilddarstellung der Apostel Petrus und Paulus sowie des Wappens über dem Haupteingang
  • Restaurieren und Aufstellen der Grabplatte des Baumeisters Martin Cremer
  • Außenliegender Sonnenschutz an der Südfassade
  • Schaffung von PKW-Stellplätzen für Lehrer und Behinderte in den seitlichen Gebäudenischen
  • Kennzeichnung des Haupteingangs und Einbindung in das Leitsystem.               
Ehemaliger Chor:
  • Sicherung und Sanierung der Gewölbekappendecken in der Aula einschließlich der Rissbildungen in den Wänden, Einbau einer Wärmedämmebene oberhalb der Gewölbe im Dachraum
  • Abdichtung der Keller-Außenwände
  • Sicherung und Restaurierung der historischen Bleiglasfenster in der Aula, Einbau einer Wärmschutzverglasung innen
  • Einbau neuer Heizkörper und einer Lüftungsanlage
  • Restaurierung der historischen Wandvertäfelung und des Parkettbodens sowie der Kronleuchter aus den 50iger Jahren
  • Erneuerung des Innenausbaus des Turnraumes (Brandschutz- & Akustikunterdecke, Heizung, Lüftung, Beleuchtung, Sportboden, Prallschutz)
Knabenbürgerschule:
  • Rückbau der leerstehenden Räume im Dachgeschoss, Schadstoffsanierung und die Erweiterung des Treppenhauses und Ausbau des Dachraumes zur Schulnutzung unter Erhalt des historischen Dachstuhls und seiner Aufbauten.
  • Neueindeckung und Einbau von Gauben in Abstimmung mit der Denkmalbehörde.
  • Anbau eines Aufzugs an der Westfassade, außerhalb der Sichtachse von der Str. unter Verwendung von modernen Materialien zur barrierefreien vertikalen Erschließung des Schulkomplexes vom Keller- bis zum Dachgeschoss
  • Außenliegender Sonnenschutz an der Ostfassade und den Gaubenfenstern des ausgebauten Dachgeschosses
  • Reinigung der Fassade und Ergänzungen am Ziegelmauerwerk entsprechend der Beschaffenheit im historischen Bestand
Schulhof III
  • Neugestaltung der Schulhofanlage für die Klassenstufen 5 und 6 als „Tobehof“
  • Die Außenwand des ehemaligen Klostergebäudes wird im Oberflächenbelag mit historischen Materialien nachgebildet
  • Verwendung von historischen Oberflächenbelägen für Wege und befestigte Flächen unter Einbezug eines taktilen Leitsystems für körperlich-motorisch eingeschränkte Schüler
  • Erneuerung der Kellerzugänge mit Einbau eines Hubliftes für die barrierefreie Anbindung des Schulhofes III an die Schulhöfe I und II sowie für die barrierefreie Erschließung des Gebäudeflügels
  • Stadtmauerumgang wird von höheren, raumverstellenden Einbauten freigehalten, die Zufahrt und Befestigung der Flächen für die Feuerwehr hergestellt
  • Die Bodendenkmalpflege wird baubegleitend einbezogen.                                                                    

 

Fotos:

Foto 1: Bürgermeister der Hansestadt Wismar Thomas Beyer; Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung Christian Pegel und Landrätin Kerstin Weiss

Foto 2: Architekt Sven Jantzen der MHB Architekten + Ingenieure GmbH aus Wismar

Foto 3: Schülerin der IGS Samira Buchholz; Landrätin Kerstin Weiss; Fachdienstleiterin für Bildung und Kultur Gudrun Sturmheit; Sachbearbeiter für Hochbau Ulf Plath;  Minister für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung Christian Pegel und Architekt Sven Jantzen

Foto 4 und 5: Aula und Sportraum der IGS

Foto 6: Schulleiterin Dr. Anka-Sybille Obermeier und die Schüler der neunten Klassenstufe Finn Weidemann und Samira Buchholz

 

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