Klimaschutz und –anpassung

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Was ist der Unterschied zwischen Klimaschutz und Klimaanpassung?

Ein erster Schritt ist Klimaschutz

Alles was unser Klima beeinflusst sollte man minimieren oder gar unterlassen. Jetzt ist das Klima nicht nur das Wetter des nächsten Tages oder der nächsten 2 Jahre. Damit ist es sehr schwer, zu erkennen, was genau unser Klima beeinflusst. Das System ist enorm komplex und von vielen Einflüßen abgängig. Viele Auswirkungen von Veränderungen sind noch unbekannt. Wenn ein Schmetterling in Südamerika durch seinen Flügelschlag einen Sturm in Europa auslösen kann oder der Wetterbericht nicht mal für die nächste Woche sicher ist, dann ist es begreifbar, warum man bekannte negative Einflüsse minimieren sollte.

Der zweite Schritt auf dem Weg ist Klimaanpassung

Die Wissenschaft beobachtet die Verändungen des Klimas und bringt in regelmäßigen Abständen einen Zustandsbericht, basierend auf dem aktuellen Wissen über das Klima. Die letzten Berichte lassen den Schluß zu, dass sich das Klima durch den Menschen verursacht verändert. Damit ist eine Anpassung an ein geändertes Klima sinnvoll. Wie und wohin entwickelt sich vermutlich das Klima? Was hat das für Auswirkungen in Nordwestmecklenburg? Was muss man also ändern (anpassen)?

Was bedeutet der Klimawandel für Nordwestmecklenburg?

Sollten die prognostizierten und teilweise statistisch belegten (Stichwort "wärmster Monat" googlen) Entwicklungen so weitergehen, wird für Nordwestmecklenburg mit zum Beispiel folgenden Auswirkungen gerechnet:

Im Winter
  • gesteigerte Sturmflutgefahr an Ostsee
  • Starkregen im Binnenland
  • vermehrte Stürme
Im Sommer
  • längere Trockenperioden
  • extremere Regenschauer (zum Beispiel für die Landwirtschaft zum falschen Zeitpunkt oder zu viel auf einmal)

Das bedeutet unter anderen: möglichwerweise reichen bisherige Deiche und Überflutungflächen nicht mehr aus, ebenso die bisherigen Standards an Abflussmengen von städtischen Kanalisationen. Und in Dachgeschosswohnungen oder Baracken könnte ein Aufenthalt im Sommer unangehm bis gesundheitsgefährdend werden, wenn kein angepasster Klimaschutz beachtet wurde.

Ein genauere Analyse über die Auswirkungen wurde in Projekt BalticClimate erstellt, mehr dazu  hier.

Risiken und Chancen des Klimawandels für die lokale und regionale Entwicklung im Ostseeraum

Der Regionale Planungsverband Westmecklenburg war Projektpartner und deutsche Modellregion des Interreg-Projektes BalticClimate, dass im Rahmen des „Ostseeraum Programmes 2007 – 2013" durchgeführt wurde.
In der Projektlaufzeit von November 2008 bis März 2012 befasste sich BalticClimate mit den Auswirkungen des Klimawandels im Ostseeraum. 23 Partner sowie 16 assoziierte Organisationen aus 7 EU-Ländern (Deutschland, Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Polen und Schweden) und Russland nahmen unter Leitung des Lead Partners Akademie für Raumforschung und Landesplanung (ARL) teil. Der Regionale Planungsverband Westmecklenburg koordinierte die Aktivitäten in der deutschen Modellregion. Außerdem war das „UNESCO Biosphärenreservat Schaalsee" assoziierter Projektpartner. BalticClimate wurde mit 3,4 Mio € aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) kofinanziert.

Ergebnisse

Das elektronische BalticClimate Toolkit ist ein Handlungsleitfaden für den Umgang mit den Folgen des Klimawandels. Es richtet sich insbesondere an die Zielgruppen Politiker, Planer und Unternehmer, denen durch eine im Projekt BalticClimate erprobte und im Toolkit dokumentierte Vorgehensweise, Unterstützung zur eigenständigen Entwicklung und Umsetzung von Strategien zum Thema Klimawandel gegeben wird. Das Toolkit beinhaltet außerdem eine Zusammenstellung der Projektergebnisse sowie neueste wissenschaftliche Ergebnisse zu den Auswirkungen des Klimawandels. Das Toolkit ist internetbasiert, in 12 Sprachen verfügbar und kann kostenfrei genutzt werden.
Auch wer sich dafür bisher nicht als Experte für das Thema Klimawandel gesehen hat, kann durch die Anwendung des Toolkits Verantwortung übernehmen und ein klares Bekenntnis zu Klimaschutz und Klimaanpassung treffen. So wird es möglich selbst aktiv zu werden, sowohl im Arbeitsalltag als auch in langfristigen Planungen und Diskussionen in Unternehmen und Verwaltungen.

Klimaschutz-Teilkonzept Landkreis Nordwestmecklenburg

Gefördert durch die Klimaschutzinitiative des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (http://www.bmu-klimaschutzinitiative.de/) hat der Landkreis Nordwestmecklenburg den Energieverbrauch seines Gebäudebestandes überprüfen und Möglichkeiten zur Einsparung untersuchen lassen.

Das Klimaschutz-Teilkonzept wurde erarbeitet vom Institut für angewandte Informatik im Bauwesen e.V. aus Wismar. Aus dem Inhalt der Zusammenfassung vom 16.06.2010:

Zusammenfassung

Das Klimaschutz-Teilkonzept soll dem Landkreis Nordwestmecklenburg umsetzbare Lösungen für integrierte Wärmenutzungskonzepte unter besonderer Berücksichtigung von erneuerbaren Energien sowie für den Aufbau eines Klimaschutzmanagements für die selbst genutzten Liegenschaften aufzeigen.

Einen wesentlichen Aspekt stellt hierbei die Einbeziehung regional erzeugter Biomasse dar. Hierbei sollte der Anteil importierter fossiler und klimaschädigender Energieträger verringert und durch in regionalen Wertschöpfungskreisläufen nachhaltig erzeugte regenerative Energieträger ersetzt werden, so dass finanzielle Mittel für die Produktion von Strom und Wärme der eigenen Region zu Gute kommen und hier für Wertschöpfung und Arbeitsplätze sorgen.

Den Energieverbrauch und die C02-Emissionen der Gebäude um mindestens 15 % nachhaltig zu reduzieren verfolgt der Landkreis als ein weiteres Ziel. Hierbei liegt der Schwerpunkt bei der Planung und Umsetzung von technischen und baulichen Maßnahmen im Gebäudebestand. Hierzu wurde der kommunale Gebäudebestand betrachtet, die Wärmeerzeugungsanlagen untersucht und bewertet. Im Anschluss daran wurde ein Maßnahmenkatalog unter Berücksichtigung regional erzeugter Energieträger aufgezeigt.

Die besondere Herausforderung zur Erreichung der zuvor genannten Ziele stellt die Bedingung, dass vor dem Hintergrund leerer Haushaltskassen und sinkender Einnahmen die geplanten Maßnahmen auch wirtschaftlich tragbar sein müssen.

Gegenwärtig beziffern sich die Gesamtausgaben für die Wärmebereitstellung auf ca. 294.696 €/a. Dies entspricht einem jährlichen Wärmeverbrauch von ca. 4.321 MWh. Dabei entfallen 3.591 MWh auf den Energieträger Erdgas, 46 MWh auf Flüssiggas, 216 MWh auf Heizöl und 468 MWh auf Fernwärme.

Der Elektroenergieverbrauch beträgt 1.128 MWh/a, welcher Kosten in Höhe von 207.246 € verursacht.

Die Kosten für die Wasserver- und -entsorgung belaufen sich auf jährlich ca. 35.416 €‚ was einem Verbrauch von ca. 10,656 m3 entspricht.

Durch die Begutachtung und Analyse der vom Landkreis Nordwestmecklenburg ausgewählten heiztechnischen Anlagen konnten verschiedene Maßnahmenpakete entwickelt werden. Die Maßnahmenpakete wurden hinsichtlich der wirtschaftlichen und technischen Umsetzbarkeit in:

  • Sofortmaßnahmen; geringinvestive Maßnahmen mit kurzfristiger Amortisation (im laufenden Betrieb),
  • Strategische Maßnahmen; intensiv-investiven Maßnahmen mit längerfristigen Amortisationszeiten und
  • Kontinuierliche Maßnahmen; dauerhafte Sicherstellung des effizienten Energieeinsatzes durch die getätigten Maßnahmen und Investitionen

gegliedert.

Sofortmaßnahmen

Wie aus dem Kilmaschutz-Teilkonzept entnommen werden kann, gibt es eine Reihe von Maßnahmen die mit geringem Aufwand zu spürbaren Effekten führen. So lassen sich, z.B. in der Malzfabrik Grevesmühlen, durch das Absperren des zweiten, nur bei niedrigen Außentemperaturen benötigten Wärmeerzeugers ca. 8.000€ jährlich einsparen. In der Summe ergibt sich durch die Umsetzung kurzfristiger Maßnahmen ein Einsparpotential von ca. 16.000 €. Gemessen in C02-Emmissionen entsprechen die eingesparten 234 MWh ca. 59 Tonnen CO2 pro Jahr. Dies ist möglich durch Maßnahmen wie Absenkung der Heizkurve, Einstellung einer Wochenendabsenkung oder Außerbetriebnahme nicht benötigter Wärmeerzeuger.

Strategische Maßnahmen

Entspricht die heiztechnische Anlage nicht mehr dem Stand der Technik und ist die theoretische Lebensdauer überschritten, so ist jederzeit mit einem Ausfall der Technik, im schlimmsten Fall mit einem Ausfall des Wärmeerzeugers zu rechnen. Um in einem solchen Fall nicht vorschnell reagieren zu müssen, sollte die zukünftige Beheizungsart sorgfältig geplant sein. Im vorliegenden Klimaschutz-Teilkonzept wurde für diese zukünftig zu treffenden Entscheidungen ein strategischer Fahrplan für die Energieversorgung der Gebäude im Landkreis Nordwestmecklenburg entwickelt.

Ganz konkret heißt das zum Beispiel: es wurden für vier, der überwiegend nicht mehr dem Stand der Technik entsprechenden Objekte, Alternativen zur gegenwärtigen Wärmeerzeugung entwickelt und hinsichtlich Ihrer Wirtschaftlichkeit und Umweltverträglichkeit bewertet.

So lassen sich z.B. durch den Einsatz moderner Brennwerttechnik in den betrachteten Objekten ca. 17.000€ und 51 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen. Diesen Einsparungen stehen Investitionskosten in Höhe von ca. 150.000€ gegenüber. Erhöht man den Anteil an erneuerbaren Energien durch den Einsatz einer Holzhackschnitzel- und einer Holzpelletsheizung so erhöhen sich die Investitionskosten auf 259.200 €. Diesem Betrag steht aber eine jährliche Brennstoffeinsparung von ca. 44.000€ und eine CO2-Einsparung von ca. 121 Tonnen gegenüber.

Kontinuierliche Maßnahmen

Bei der Betrachtung der jährlichen Ausgaben und des damit verbundenen Einsparpotentials allein durch kurzfristige Maßnahmen, empfiehlt es sich, im Landkreis Nordwestmecklenburg ein zentrales Energiemanagement zur kontinuierlichen Betriebsüberwachung aufzubauen. Mit Hilfe eines Energiemanagements lässt sich ein energieeffizienter Gebäudebetrieb dauerhaft gewährleisten. Es dient darüber hinaus zur Erhöhung der Transparenz sowie als betriebswirtschaftliches Planungsinstrument für ökonomisch und ökologisch wirksame Maßnahmen.

Die mit einem Energiemanagement verbundenen Webportale dienen nicht nur zur Erkennung und Realisierung von Einsparpotentialen sondern auch als Instrument für die Öffentlichkeitsarbeit sowie für die Motivation und Kommunikation mit allen Beteiligten.