Große Ölwehrübung bei Wohlenberg

150 Einsatzkräfte proben den Ernstfall

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Am Samstag (9.9.) fand  rund um die alte Mole bei Wohlenberg eine groß angelegte Ölwehrübung unter der Leitung des Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Westmecklenburg (StALU) statt, an der etwa 150 Einsatzkräfte aus dem Landkreis und darüber hinaus beteiligt waren.
Seit früh morgens liefen die Vorbereitungen auf dem Parkplatz am Wohlenberger Strand, wo sich Feuerwehren, THW-Züge und viele weitere beteiligte sammelten.
Das Szenario: eine Havarie zweier Schiffe auf der Ostsee vor dem Anleger mit auslaufendem Öl. Dargestellt wurden die Schiffe vom Kutter „Flunder“ aus Rostock und den Seenotrettern aus Timmendorf auf Poel mit ihrem Boot „Wolfgang Wiese“. Sie beteiligten sich später auch noch am Schleppen einer Ölsperre.
Kräfte von Feuerwehr und THW bauten auf der Mole Dekontaminationsstationen auf, mit denen im Ernstfall Fahrzeuge und Einsatzkräfte vom Öl befreit werden.
Der Ortsverband des THW Rostock stellte ein Boot und seine Führungszentrale zur Verfügung und leitete die Kommunikation. Das THW Bad Doberan war unter anderem mit einem speziellen Kettenfahrzeug und ebenfalls einem Boot vertreten. Die Ortsverbände Gadebusch, Wismar und Schwerin kümmerten sich vermehrt um den Aufbau von Infrastruktur.
Vor dem Abschöpfen gilt es, die Ausbreitung von Öl und Betriebsstoffen zu verhindern. Dafür wurden aufblasbare Ölbarrieren von Booten der DLRG und THW auf die Ostsee geschleppt und als Kreis um die Schiffe gelegt. Auch das StALU selbst verfügt über kleinere Einsatzboote für solche Zwecke.
„Wir proben hier den ganz großen Ernstfall.“, so Einsatzleiter Ralf Hecht vom StALU: „Bislang hatten wir in Nordwestmecklenburg Glück und es kam nicht zu solchen Vorfällen, aber zum Beispiel der brennende Frachter vor kurzem in der Nordsee ist so ein Beispiel, bei dem es zu großflächigen Verschmutzungen kommen kann.“ Kleinere Austritte, die immer wieder vorkommen, hingegen würden meist eigenständig von den örtlichen Einsatzkräften bewältigt, so der Einsatzleiter.

Gegen 9:30 Uhr schaute Staatssekretärin Elisabeth Aßmann aus dem Ministerium für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt vorbei und machte sich ein Bild von der Einsatzlage. Sie betonte, wie enorm wichtig praktische Übung sei: „Gerade wenn so viele Einsatzkräfte zusammenkommen, muss man das üben, um die Lage im Ernstfall im Griff zu haben. Außerdem dienen solche Erprobungen dazu, Einsatzkonzepte zu überprüfen und stetig weiterzuentwickeln.“, so Aßmann.

Während sich die Kunststoffbarrieren um die Boote schlossen, befand sich auch der „Erkundungstrupp Luft“ des Landkreises im Einsatz: Drei Kollegen aus dem Bereich Kataster und Vermessung lieferten der Einsatzleitung Luftbilder und so einen Überblick über die Lage.
Ihnen stattete auch Landrat Tino Schomann bei seinem Besuch vor Ort einen Besuch ab: „Unsere Drohne ist erstmals dabei und hier sehen wir, wie vielseitig man sie einsetzen kann. Es ist sehr wichtig, dass hier nicht nur die Feuerwehren aus dem Landkreis gut mit allen zusammenarbeiten, sondern auch die Vertreter unserer Verwaltung. Sie sind auch im Ernstfall aktiv an der Beurteilung und Bewältigung der Lage beteiligt.“
So waren auch Vertreter des Kreisveterinäramtes vor Ort, natürlich des Bevölkerungsschutzes und der unteren Wasserbehörde und der Jagdbehörde. Der Drohnentrupp nutze die Gelegenheit zum Austausch mit ihren Kollegen der Johanniter aus Wismar, die das Einsatzgeschehen beobachteten.
Die Verpflegung und Betreuung übernahmen die Malteser Nordwestmecklenburg.

Einen Hauptteil der Arbeitskraft und ebenfalls viel Einsatzgerät, Boote, Fahrzeuge und Ölsperren stellten Feuerwehren aus dem Landkreis, die auch im Ernstfall mit Schadstoff-Vorfällen auf der Ostsee befasst sind, zum Beispiel in Häfen. Mit dabei waren die Wehren aus Boltenhagen, Klütz, Warin, Wismar-Altstadt und Neuburg.

Das Havariekommando der Bundeswehr, zahlreiche Landesbehörden, und externe Berater hatten Beobachter vor Ort, um den Ablauf der Übung zu analysieren.
Diese verlief bei sehr warmem aber ansonsten idealem Wetter insgesamt erfolgreich und brachte auch neue Erkenntnisse.  So musste zum Beispiel davon abgesehen werden, Boote per „Slip“ ins Wasser gleiten zu lassen. Weil der Wasserstand dafür zu niedrig war, wurden sie mit Kränen des THW direkt von der Mole ins Wasser gehoben.
Auch die Schadstoffbeseitigung an den Stränden gehörte zu Übung dazu, wurde aber in kleinerem Rahmen erprobt als die auf dem Wasser – schließlich ist Badesaison und es galt auch die teils sehr interessiert zuschauenden Badegäste nicht zu sehr einzuschränken.

 

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