Kreiserntebereisung 2023
Kein gutes Erntejahr, aber auch kein Totalausfall
Einmal im Jahr lädt der Kreisbauernverband wichtige Akteure aus der Verwaltung und Politik zur Kreiserntebereisung ein. Am 25. Juli war es wieder soweit: Landrat Tino Schomann, Wismars Bürgermeister Thomas Beyer und der Chef des staatliches Amtes für Landwirtschaft und Umwelt Henning Remus besuchten gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes Daniel Bohl und seiner Geschäftsführerin Dorothea Bredenkamp drei landwirtschaftliche Betriebe. Diesmal war die Region Dassow-Schönberg im westlichen Teil des Landkreises an der Reihe.
Die Gruppe traf sich zuerst auf dem Hof von Rainer Jörke, der am Schönberger Ortsrand nicht nur Acker- und Grünland bewirtschaftet, sondern auch Zuchtrinder hält.
Diese bringen gute Preise, den kleinen Betrieb mit um die 15 Mutterkühnen unterhält Jörke aber im Nebenerwerb – im Hauptberuf ist er Einrichtungsmanager.
Mit seinen Tieren ist er dennoch aufgrund der hohen Qualität regelmäßig Gast auf der Grünen Woche „Besonders Spaß mach mir dort die Aufklärungsarbeit, zum Beispiel bei Schulklassen, inklusive Lehrern, mit Vorurteilen über die Viehhaltung aufzuräumen.“
Jörkes Raps hingegen hat durch die Wochen der Trockenheit schwer gelitten. Sogar das bisschen Regen was es gab, habe lange um Schönberg einen Bogen gemacht.
„Das betrifft im ganzen Landkreis vor allem die Gerste, die mit als erstes geerntet wird.“, erzählt Bauerverbands-Vorstand Daniel Bohl: „Es gab keinen Totalausfall, aber es wird ein unterdurchschnittliches Jahr, mit dem wir keine großen Sprünge machen können. Auch für die anderen Getreidesorten kommt der Regen nun Ende Juli etwas spät, das lässt sich nicht nachholen.“ Positiv gestimmt ist er bei den anderen Feldfrüchten: „Wir haben auch noch Produkte wie Rüben, die nicht gedroschen werden. Da erwarten wir noch positive Effekte.“
Landwirtschaft im Nebenerwerb ist in Nordwestmecklenburg noch immer eine seltene Ausnahme, aber die Zahl der Landwirte, die nicht alleine von der Landwirtschaft leben, steigt auch hier.
Als zweite Station ging es auf den Hof Renzow im Stepenitztal: Lennard Renzow und sein Vater Volker können ihre Familiengeschichte hier bis 1379 zurückverfolgen – wie so oft unterbrochen durch ein Exil im „Westen“ während der DDR-Zeit und eine spätere Rückkehr.
Seit 2008 unterhalten sie Ihre 1.300 Hektar als reinen Ackerbaubetrieb zum Beispiel für Zuckerrüben. Mit dem Landrat und den anderen Besuchern sprachen sie auch über die zunehmenden Hürden und bürokratischen Aufwand, die neue Gesetzgebungen mit sich bringen. „Wir wollen natürlich unseren Beitrag leisten und manches wurde sicher in der Vergangenheit auch falsch gemacht. Ein komplettes Pflanzenschutzmittelverbot, wie es weiten Teilen von NWM droht, würde aber große Probleme bereiten.“, so Lennard Renzow, der den Hof im Sommer übernommen hat.
Wie man sich als Landwirte besser organisieren könne, um mit diesen Problemen von der Politik besser gehört zu werden, war eines der Hauptthemen beim gemeinsamen Mittagessen im Jagdhof Dassow. „Als Landrat habe ich wenig Einfluss auf die Gesetzgebung. Aber gerade weil ich selbst aus der Landwirtschaft komme, bringe ich auch als Landrat solche Themen natürlich überall dort an, wo ich Gelegenheit dazu habe.“, so Tino Schomann: „Manchmal hat man auch bei diesem Thema das Gefühl, dass der Abstand zwischen Entscheidern am Schreibtisch und der Realität vor Ort zu groß ist.“
Als dritte Station wurde der Hof Sangel besichtigt, den Sven Sangel mit seiner Frau in den letzten Jahren zu einem der größten Legehennen-Betriebe der Region ausgebaut hat. Neben einem großen Freiluftgelände unter Pappeln kam im letzten Jahr auch ein Stall dazu. 6 Millionen Eier werden hier jährlich umgesetzt – ein Großteil mit dem Label des deutschen Tierschutzbundes als Freilandeier.
Für Sangel war die Vermarktung das größte Problem: nach dem Boom der Corona-Jahre brach die Nachfrage zunächst ein. „Wir haben aber gute Vermarktungspartner gefunden und telefonieren auch selbst viele unserer heute 80 Kunden wöchentlich ab.“, erzählt er.
Bei Kaffee und Kuchen auf dem heimischen Hof ging die Erntebereisung für dieses Jahr zu Ende.
Ein Video mit Eindrücken von der Rundreise finden Sie auch auf dem Youtube-Kanal des Landkreises Nordwestmecklenburg:
(Das Abspielen des Videos führt zur Erfassung von Nutzungsdaten durch Youtube und seine Partner)
Falls Sie selbst Lust auf weitere virtuelle Hofbesichtigungen haben: auf dem Youtube Kanal des Bauernverbandes MV wurden anlässlich des diesjährigen „Tag des offenen Hofes“ 8 Potraitfilme über die Landwirtschaft in Nordwestmecklenburg hochgeladen. In den knapp 5 Minuten langen Filme lernen sie jeweils einen Hof und seine Betreiber näher kennen.





