Jahresempfang des Landkreises auf Schloss Bothmer
Kulturpreise und Ehrennadeln wurden verliehen
Am Mittwoch (14.9.) fand im Festsaal der „Orangerie“ von Schloss Bothmer der Jahresempfang des Landkreises Nordwestmecklenburg für das Jahr 2022 statt. Kreistagspräsident Thomas Grote und Landrat Tino Schomann begrüßten vor Ort rund 150 Gäste zu dem Empfang, der erstmals seit 2019 wieder unter normalen Bedingungen und damit ohne besondere Hygienemaßnahmen wie eine Maskenpflicht stattfinden konnte.
Wie bereits 2021 teilten sich der Kreistagspräsident und der Landrat die Festrede zur Eröffnung. Thomas Grote begann und fasste die Zeit seit dem letzten Empfang zusammen. Dabei gab er auch ein klares Bekenntnis zur Unterstützung für die Ukraine ab: „Unsere Gesellschaft wird auf eine Zerreisprobe gestellt.“, so Grote „Die empfundene Spaltung wird nicht nur von russischen Propagandamedien auch in Deutschland befeuert, sondern auch von extremen Kräften, die ein Interesse an dieser Spaltung haben. Eines muss an dieser Stelle einmal deutlich gesagt werden: Die Unterstützung der Ukraine gegen diese Invasionsarmee ist auf Grundlage unserer europäischen Werte und unserer eigenen Geschichte ein moralischer Imperativ!“
Ein Statement für das der Kreistagspräsidenten kräftigen Zwischenapplaus erhielt.
Die zurückliegenden Krisen hätten aber auch die große Hilfsbereitschaft für Menschen in Not gezeigt, die in der Bevölkerung vorherrsche: „Wir sollten uns wieder mehr darauf besinnen und darüber reden, wie viele Menschen täglich Gutes tun und Gutes leisten!“, setzte Grote hinzu und dankte auch den Mitgliedern und Fraktionen des Kreistages für die trotz schwerer Zeiten konstruktive Zusammenarbeit und den fairen Umgang.
Landrat Tino Schomann schloss sich den Ausführungen des Kreistagspräsidenten an und setzte die Festrede mit einem Dank an alle Helferinnen und Helfer in der Ukraine-Krise und in der Pandemie fort. Die Einladungen für den Festabend waren entsprechend gewählt worden: Es waren viele Helfer geladen, die von außen die Kreisverwaltung auf unterschiedliche Arten in diesen zweieinhalb Jahren unterstützt hatten. Unter den Gästen waren in diesem Jahr aber auch viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Verwaltung selbst, die sich in diesen Krisenzeiten besonders engagiert hatten und besonderen Belastungen ausgesetzt waren. Unter ihnen waren Mitarbeitende aus dem Gesundheitsamt, dem Impfteam des Landkreises und des Krisenstabs-Ukraine, die maßgeblich die Aufnahme von Geflüchteten koordiniert hatten. „Natürlich wird diese Arbeit vergütet. Sie ging aber in so vielen Fällen weit über das Maß hinaus das man als Arbeitgeber und Dienstherr erwarten kann. Dafür wollten wir mit dieser Einladung zumindest einen symbolischen Dank aussprechen.“, so Schomann.
So stand der Abend auch unter dem Zeichen, sich bei den eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiterin für ihre Leistungen abseits der bloßen Plfichterfüllung bedanken, diese aber auch sichtbarer zu machen: „Ich will die Sorgen und Ängste, die Selbstständige, Arbeitnehmer und Unternehmer in der freien Wirtschaft auszustehen haben damit nicht schmälern. Aber das Vorurteil ausräumen dass es in Amtstuben immer ruhig und abgeschottet von der Außenwelt zugeht.“, so Schomann: „So ist es nämlich nicht. Auch dort wirken sich die Krisen aus und ihre Bewältigung bringt viele Menschen in der Verwaltung ebenfalls an ihre Grenzen.“
Musikalisch eingeleitet und begleitet wurde der Abend von den Musikerinnen und Musikern der Kreismusikschule „Carl Orff“: Mit Klavierbegleitung bewegte die junge Sängerin Henni Freund bei ihren drei Auftritten die Anwesenden, denn die Auswahl ihrer Lieder ergänzte sich mit den ernsten und nachdenklichen Inhalten der Eröffnungsreden – zum Beispiel Udo Lindenbergs „Wozu sind Kriege da?“.
Fester und zentraler Bestandteil des Jahrempfangs ist die Verleihung der Ehrennadeln und des Kulturpreises des Landkreises. Letzterer wird alle zwei Jahre vergeben, im Wechsel mit dem gleichwertigen Umweltpreis.
Eingeleitet von Preisjury-Mitglied und Pastor im Ruhestand Manfred Harloff konnte sich die Künstlerin Anneliese Schöfbeck aus Hohen Viecheln über den mit 2.000 Euro dotierten Kulturpreis freuen. Mit dem Preis ehrte die Jury das Lebenswerk der 86-jährigen, die seit 1974 in Nordwestmecklenburg wohnt und die mit ihren farbstarken, kubistisch anmutenden Bildern bis heute eine feste Größe in der Mecklenburger Künstlergemeinschaft ist. So ist eines ihrer Werke teil des „Lüner Hansetuches“, das inzwischen als repräsentatives Dokument zeitgenössischer Kunst im Geiste der Hanse gilt. 14 ihrer Bilder befinden sich in der Kunstsammlung des staatlichen Museums Schwerin. Damit ist Schöfbeck die 20. Trägerin des Kulturpreises Nordwestmecklenburg.
Parallel wird seit 2001 auch der mit 1.000 Euro dotierte Jugendkulturpreis verliehen. Dieser ging an die Jugendmediengruppe „Filmspatzen“ im Filmbüro MV in Wismar. Seit 2014 setzen dort Kinder im Alter von 7-12 Jahren unter Anleitung eigenständig Filmprojekte um, schreiben Drehbücher und animieren Trickfilme. Dafür haben sie Zugriff auf den umfangreichen Technikfundus des Filmbüros und erhalten Anleitung von der Medienpädagogin Fränze Flade, die seit über sieben Jahren die Gruppe leitet. Gemeinsam mit zwei ihrer „Filmspatzen“ und Filmbüroleiterin Sabine Matthiesen nahm sie den Preis entgegen.
Ebenfalls verliehen wurden vier der Ehrennadeln des Landkreises, mit der besonderes ehrenamtliches Engagement und Verdienste um die Allgemeinheit ausgezeichnet werden.
Die erste erhielt Brigitte Neugebauer-Winkler, die seit 2006 Mitglied im Verein „Gemeinschaft Wismarer Künstler und Kunstfreunde e.V.“ ist und 2016 den Vereinsvorsitz übernahm.
Sie führte den Verein, der seit 1990 Träger der „Galerie Hinter dem Rathaus“ in Wismar ist, seitdem durch teilweise schwierige Zeiten. Dabei habe sie auch in der Corona-Krise nicht aufgegeben, sondern neue Formate und Möglichkeiten gefunden. Laudator Thomas Grote attestierte ihr ein „tiefes Verständnis nicht nur für künstlerische Schaffensprozesse, sondern auch dafür was nötig ist, damit Menschen von ihrer Kunst leben können.“
Die zweite der Ehrennadeln, übergeben durch den Landrat, erhielt der Bodendenkmalpfleger und Mitglied im Klützer Heimatverein Carsten Schmoldt – er engagiert sich vielfältig in der Gemeinde und darüber hinaus. Hauptanlass für die Ehrung war aber die Wiederbelegung einer 170 Jahre alten Scheune in der Straße „Im Thurow“ in Klütz, an der Schmoldt maßgeblich beteiligt war. Die Scheune dient heute als Museum und Veranstaltungsort für den Heimatverein, der sich intensiv mit der Geschichte des Ortes befasst.
Die zwei weiteren Ehrennadeln ließen sich unter dem Stichwort „Helden der Pandemie“ zusammenfassen, wie auch ein Großteil der Gästeliste. Für seine Verdienste um die Impfkampagne gegen Covid19 erhielt Dr. Fabian Holbe aus Neuburg die Auszeichnung. Er hatte mit seiner Idee, Hausarztteams zu bilden, nicht nur die Impfungen in den Pflegeheimen in NWM organisatorisch optimiert, sondern auch dafür gesorgt, dass Arztpraxen im Landkreis frühzeitig mitimpfen konnten, als dies anderswo noch ausschließlich in Impfzentren passierte. Damit war Nordwestmecklenburg Vorreiter für das ganze Bundesland und bundesweit, teilweise sogar weltweit, in den Schlagzeilen.
Holbe ist nach wie vor sehr aktiv in den Impfbemühungen zu Covid19, war aber auch bei der Hilfe für Geflüchtete aus der Ukraine ein wichtiger Partner des Landkreises.
Die vierte Trägerin der Ehrennadel in 2022 wurde Maike Frey vom DRK-Kreisverband NWM. Sie leitet dort die Schwangerschaftsberatungsstelle und seit 2016 den ganzen Sozialbereich des Verbandes. Außerdem engagiert sie sich vielfach ehrenamtlich. In der Flüchtlingskrise 2015 und auch wieder 2022 war sie eine der wichtigsten Ansprechpartnerinnen des Landkreises beim DRK und unter anderem für die Koordination ehrenamtlicher Hilfe über die Mitmachzentrale verantwortlich sowie die Organisation der Notunterkunft und Erstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete in Grevesmühlen.
Nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung folgte ein gemütlicher Festabend mit vielen persönlichen Gesprächen. 2023 soll dann der Umweltpreis auf dem Jahresempfang verliehen werden und natürlich auch weitere Ehrennadeln. Der Aufruf für Einreichungen wird im Sommer des kommenden Jahres erfolgen und wird per Ausschreibung auf der Webseite des Landkreises, in der Presse und im Nordwestblick bekanntgemacht.







