Katastrophenschutz probt den Großeinsatz
Übung in Gadebusch mit über 100 Einsatzkräften.
Am Samstagmorgen (23.10.) begann der Großeinsatz mit einem Anruf bei der Notrufnummer: „Ich stehe hier in der Industriestraße in Gadebusch und es geht mir nicht gut.“, meldete ein Jugendlicher.
Der anrückende Rettungswagen war nur die erste von vielen Blaulichtfahrten an diesem Tag, denn vor Ort zeigte sich schnell eine viel größere Lage:
Eine illegale Techno-Party mit rund 45 Jugendlichen auf einem alten Industriegelände – vielen der jungen Leute geht es schlecht, manche scheinen sogar in Lebensgefahr zu schweben. Schnell wird klar: Anscheinend waren auf der Feier Drogen im Umlauf, die weit mehr als nur die erwünschte Wirkung hatten.
Damit ist der Großeinsatz ausgelöst und mehr 120 Einsatzkräfte und 45 Fahrzeuge rücken an, um die Lage zu bewältigen.
Zum Glück nur eine Übung
Was auch den Einsatzkräften beim Eintreffen vor Ort klar wurde: In diesem Fall handelte es sich zum Glück nur um eine groß angelegte Übung, organisiert von den Abteilungen Rettungsdienst sowie Brand- und Katastrophenschutz des Landkreises. „So ein Szenario ist aber durchaus realistisch. In kleinerem Rahmen haben wir immer wieder solche Fälle, bei denen gleich mehrere Personen versorgt werden müssen.“, erklärt Florian Haug, Leiter der Abteilung beim Landkreis: „Es handelt sich um einen so genannten „Massenanfall von Verletzten“, kurz MANV, den wir hier üben.“
Ein MANV bedeutet auch, dass es nicht nur Sache des Rettungsdienstes ist. Neben 16 Rettungsfahrzeugen rückt auch die Feuerwehr mit drei Fahrzeugen an, der Betreuungszug aus aus Warin, ein Sanitätszug aus Gägelow mit sieben Fahrzeugen und sogar die Abteilung Wassergefahrenabwehr zur Unterstützung.
Um das Gelände von oben erkunden zu können, ist auch der „Erkundungstrupp Luft“ aus Redentin mit seiner Drohne vor Ort. Neben der Versorgung der ersten Hilfsbedürftigen ist es auch Aufgabe der Rettungskräfte, das verwinkelte Gelände genau abzusuchen. Keine verletzte oder hilfslose Person darf übersehen werden.
Zum Zeitpunkt der Alarmierung wusste aber nur ein sehr kleiner Kreis, dass es sich um eine Übung handelt. Alles soll wie im Ernstfall ablaufen – Beobachter vor Ort greifen nicht ein, sondern dokumentieren. Später wird das Einsatzgeschehen detailliert ausgewertet und daraus Schlüsse für zukünftige Einsätze und für die regelmäßigen Schulungen gezogen.
„Es ist unsere zweite große MANV-Übung. 2017 haben wir bereits ein Szenario auf der Deponie in Ihlenberg geprobt. Weitere Großübungen zu anderen Einsatzlagen machen wir in der Regel einmal im Jahr.“, so Florian Haug. „Vor zwei Jahren haben wir ein Konzept genau für diese Art von Großeinsätzen überarbeitet. Damit sind wir in Mecklenburg-Vorpommern Vorreiter.“
Mit dem Ersteindruck zeigte sich der Leiter des Brand- und Katastrophenschutzes weitgehend zufrieden: „Alle arbeiten diszipliniert und effektiv zusammen. Weiteres wird die Auswertung zeigen, die wir zusammen mit dem Institut für Gefahrenabwehr durchführen.“, so Haug: „Ich möchte mich auch bei dem Eigentümer des Geländes bedanken. Wir konnten hier eine Woche lange aufbauen und vorbereiten. Das ermöglicht beste Bedingungen.“
So konnte unter anderem ein alter PKW unter einem LKW-Auflieger eingeklemmt werden – so als sei der Fahrer im Drogenrausch darunter gefahren. Die Feuerwehr simulierte hier die Befreiung der Insassen mit schwerem Gerät. Mit Strohballen wurden in einer Werkshalle ein „Club“ mit mehreren Räumen aufgebaut. Insgesamt wurde die Übung fast ein Jahr lang konzipiert und geplant, mit was man die Einsatzkräfte vor Ort konfrontieren wollte.
Überall auf dem Gelände kümmerten sich Rettungskräfte diszipliniert um die „Verletzen“. Diese wurden von Angehörigen der Jugendfeuerwehren aus dem Raum Gadebusch gespielt, die teils sichtlich Spaß am Schauspiel hatten. Wegen des kalten Oktobermorgens stellte NAHBUS von seinem nahen Betriebsgelände einen Bus zur Verfügung, damit die Darsteller nicht zu lange in der Kälte sitzen mussten. Wie im Ernstfall wurden aber auch beheizte Sanitätszelte aufgebaut.
Die nächste Herausforderung nach der Erstversorgung ist Einteilung, wer am dringendsten Hilfe braucht. Dann müssen diese Personen erstversorgt und nach und nach auf verschiedene Krankenhäuser der Umgebung verteilt werden. Denn knapp 50 dringende Versorgungsfälle gleichzeitig kann keine Notaufnahme alleine bewältigen.
Auch Mathias Diederich als Stellvertreter des Landrates und zuständiger Fachbereichsleiter war gemeinsam mit Vertretern der Polizei vor Ort: „Was man hier sieht, zeigt den Aufwand, der zur Bewältigung so einer Lage nötig ist. Und es zeigt, dass unsere Konzepte funktionieren. Alles läuft geordnet ab und ich bin zuversichtlich, dass wir gewappnet sind. Dennoch hoffen wir natürlich alle, dass ein solches Szenario nicht als Ernstfall eintritt.“, so Diederich: „Der Bereich Brand- und Katastrophenschutz gehört zu einer der wichtigsten Aufgaben des Landkreises. Hier muss umsichtig geplant werden, denn man richtet die vorhandenen Ressourcen nicht nur auf den Alltag, sondern explizit auch auf den Katastrophenfall aus.“
Gegen 14:30 Uhr, sieben Stunden nach der Erstalarmierung, war der Einsatz abgeschlossen und die letzten Einsatzkräfte konnten abrücken. Ein langer Tag auch für die vielen Helfer, die in ihrer Freizeit dabei waren: Um während der Übung die Einsatzfähigkeit der Rettungswachen für echte Notfälle zu gewährleisten, kamen viele Rettungskräfte außerhalb ihrer Arbeitszeit dazu. „Auch für die Unterstützung der Ehrenamtlichen, wie der freiwilligen Feuerwehren, müssen wir uns bedanken.“, so Florian Haug.






