Mütter und Töchter des Grundgesetzes

Zwei Ausstellungen im Grenzhus Schlagsdorf verbinden Geschichte und Gegenwart

Die Ausstellungen sind bis 26. November 2021 im Grenzhus zu sehen

Seit Anfang Oktober ist im Grenzhus in Schlagsdorf erstmals eine Doppelausstellung zu sehen, die sich auf zweifache Weise speziell mit dem Thema Gleichstellung und der Rolle und dem Selbstverständnis von Frauen in unserer Gesellschaft beschäftigt.

Eine Hälfte bildet die Ausstellung „Mütter des Grundgesetzes“ des Helene Weber Kollegs und der Organisation EAF, unterstützt durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Sie beschäftigt sich in Bildern und Texten mit der Rolle von Elisabeth Selbert, Helene Weber, Frieda Nadig und Helene Wessel. Sie waren die einzigen Frauen, die 1949 an der Entstehung des Grundgesetzes mitwirkten und prägten es nachhaltig: Sie sorgten dafür, dass in Art.3 Ab. 2 der Grundsatz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ verankert wurde.
Eine Festlegung, die nicht immer so selbstverständlich war, wie sie heute scheint. Das machte Dr. Birgit Gabler, Leiterin der Leitstelle für Frauen und Gleichstellung im Sozialministerium MV, zu Ausstellungseröffnung deutlich. Der Satz habe viel mehr die Grundlage geschaffen für einen Jahrzehnte dauernden Prozess der Emanzipation: „Bis 1958 galt noch das Letztentscheidungsrecht des Ehemannes und erst ab 1977 brauchte eine Frau nicht mehr die Einwilligung des Mannes, um eine Beschäftigung aufzunehmen.“, so Gabler: „Erst 1994 wurde der Artikel dann um den Auftrag an den Staat erweitert, diese Gleichberechtigung tatsächlich zu fördern und umzusetzen.“

Eine Ausstellung über vier einflussreiche Frauen und große Figuren der deutschen Geschichte also. Zwischen der Gleichstellungbeauftragten des Landkreises Simone Jürß, dem Leiter des Grenzhus Dr. Andreas Wagner und dem Verein politische Memoriale entstand aber die Idee, dieser „Geschichtsstunde“ ein Stück Gegenwart gegenüberzustellen.
So stellt die Ausstellung „Töchter des Grundgesetzes“ ergänzend zehn Frauen aus Nordwestmecklenburg vor, die sich heute in Beruf, Gesellschaft oder Politik für Gleichstellung einsetzen. Die großformatigen Plakate mit einem Kurzprofil und Statements zum Thema werden dabei durch ausführliche Interviews ergänzt, die in der Ausstellung ausliegen.

„Die Frauen, die wir so portraitiert haben, geben uns sehr persönliche Einblicke in ihr Leben, ihr Denken und ihr Handeln.“, so Simone Jürß über die Teilnehmerinnen.

Neben den beiden Landtagsabgeordneten Sabine Enseleit und Martina Tegtmeier, sind das auch die Schwestern Paula und Lea Stemmler aus Wismar, die sich dort im Kinder- und Jugendparlament engagieren, die langjährige Vorsitzende des Landfrauenvereins Gudrun Helmig, Kreistagsmitglied und Künstlerin Miro Zahra oder Heidi Wollensack, die Präsidentin des Zonta-Clubs Wismar, Birgit Heine als Bürgermeisterin der Gemeinde Barnekow und Gleichstellungsbeauftragte ihres Amtsbereiches, und die Geschäftsführerin der Robert-Schmidt-Instituts der Hochschule Wismar Regina Krause.
„Ich habe selbst den Wandel erlebt – als ich 1999 Mutter wurde, war es ganz selbstverständlich, dass ich zu Hause blieb und mein Mann arbeiten ging. Im Rückblick verpasste er dadurch viel Entwicklung des Kindes. Gleichstellung und eine gleichberechtigte Aufgabenteilung kann auch Männern zugutekommen.“, berichtet Birgit Heine.
Katy Jurkschat musste nicht lange überzeugt werden, sich an der Ausstellung zu beteiligen. Sie ist Vertriebsleiterin der Stadtwerke Grevesmühlen und Geschäftsführerin der Digitale Stadt Grevesmühlen GmbH. Gleichzeitig ist sie ebenfalls Mutter: „Ich sehe mich als Beispiel dafür, dass Gleichstellung in manchen Unternehmen schon sehr gut angekommen ist und Familie und Karriere sich bei Frauen heute genauso wenig gegenseitig ausschließen, wie es bei Männern der Fall ist.“

Die Ausstellungen „Mütter des Grundgesetzes“ und „Töchter des Grundgesetzes“ sind noch bei 26. November im Grenzhus zu sehen. Mehr Informationen unter www.grenzhus.de

Die Gleichstellungsbeauftragte

Simone Jürß erfüllt als Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis Nordwestmecklenburg den Auftrag, zur Verwirklichung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern beizutragen. In dieser Funktion ist sie sowohl verwaltungsintern als auch -extern tätig. Dabei arbeitet sie in einem großen Netzwerk mit politischen und gesellschaftlichen Gruppen, Institutionen, Vereinen, Betrieben und Behörden zusammen. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Öffentlichkeitsarbeit.
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