Suche nach Lösungen: Gespräch mit Sportvereinen, Landes- und Kreissportbund
Zur Nutzung der Sporthalle des Berufsschulzentrums Nord als Unterkunft für Geflüchtete
Ein Wechselmodell soll die Lasten auf mehr Schultern verteilen
Aufgrund weiter steigender Zuweisungen von Asylbewerbern und Geflüchteten sah sich der Landkreis Ende vergangener Woche gezwungen, die Nutzung einer Sporthalle zur zeitweisen Unterbringung neu ankommender Personen zu beschließen.
„Durch den Brand in Groß Strömkendorf sind uns über 150 Plätze weggefallen. Zeitgleich steigen die Zuweisungen stark an. Nordwestmecklenburg hat im Landesvergleich die meisten ukrainischen Geflüchteten aller Landkreise aufgenommen und der Wohnungsmarkt ist sehr angespannt.“
Dies hatte der Landrat auch der Bundesinnenministerin bei ihrem Besuch in Groß Strömkendorf mitgeteilt. Auch die Landkreise haben die Überlastung über den Landkreistag bereits mehrfach in Richtung der Landesregierung kommuniziert. Leider gab es auch von der Bundesebene aus bislang keine Lösungsansätze – in NWM befinden sich auch keine möglicherweise geeigneten Liegenschaften des Bundes und des Landes.
Trotz intensiver Bemühungen der Kreisverwaltung, Gesprächen mit Bürgermeistern und Begehungen möglicher Grundstücke und Liegenschaften für weitere Unterbringungen, gelang es nicht, kurzfristig zur Verfügung stehende Kapazitäten zu generieren, die den aktuell hohen Zuweisungszahlen genügen. Seit Monaten ist die Verwaltung auf der Suche nach weiteren Unterbringungsmöglichkeiten in der nötigen Größenordnung, doch bislang konnte kein Standort gefunden werden.
„Deshalb waren wir nun kurzfristig zu diesem Schritt gezwungen, denn wir sind zur Unterbringung dieser Menschen gesetzlich verpflichtet.“, so Landrat Tino Schomann zu aktuellen Lage.
Unter den Sporthallen, die dem Landkreis gehören, wurde sich auch für die Halle des BSZ-Nord entschieden, weil zum Beispiel dort keine Sportabiturienten betroffen sind.
Noch am Freitag erhoben fünf Sportvereine in einem offenen Brief Protest gegen die Belastung für sie dadurch, dass nach Corona-Lockdown und der Nutzung als Notunterkunft im Frühjahr die Halle nun erneut für längere Zeit nicht für die Nutzung durch Vereine und für Sportunterricht zur Verfügung steht.
„Ich verstehe den Frust bei den Vereinen und auch mir wäre es lieber, wir hätten diese Entscheidung nicht treffen müssen. Nun gilt es aber, mit der Lage umzugehen und gemeinsam Lösungen zu finden, um die Belastungen für die Vereine zu reduzieren. Dafür müssen wir uns zusammensetzen“, so Tino Schomann.
Aussprache am Montagmorgen
Für Montagmorgen (21.11.) wurde noch am Freitag ein Treffen mit den beteiligten Akteuren Vereinbart.
Zu der Sitzung in der Kreisverwaltung in Wismar kamen die Geschäftsführer des Landessportbundes Torsten Haverland und des Kreissportbundes Maik Dittberner und Kerstin Groth in.
Der Schulleiter des Berufsschulzentrums Nord Björn Offhaus und die zuständige Schulrätin im Bildungsministerium Silke Deichmann nahmen ebenfalls teil.
Als Vertreter der betroffenen Vereine waren Gerd Almendinger, Präsident des FC Anker Wismar e.V., und Jens Herrschaft, 1. Vors. des TSV Gägelow anwesend.
Von Seiten des Landkreises waren Kreistagspräsident Thomas Grote, Landrat Tino Schomann, sowie die für Bildung und Schulen zuständige Fachdienstleitung des Landkreises zugegen.
Der Landrat und die zuständige Ministerin für Bildung und Kindertagesförderung in Mecklenburg-Vorpommern, Simone Oldenburg, und der Kreistagspräsident hatten bereits in der vergangenen Woche gemeinsam über ein Wechselmodell beraten, mit dem die Belastung auf möglichst viele Schultern verteilt und damit abgemildert werden kann.
Die Grundidee ist, die weggefallenen Nutzungenzeiten in der Halle des BSZ Nord soweit möglich in anderen Hallen im Raum Wismar zu kompensieren. Der Kreissportbund soll dabei unter den Vereinen als Vermittler dienen:
"Corona hat gezeigt, dass längere Zeiten ohne Hallennutzung für Sportvereine eine existentielle Bedrohung darstellen. Deshalb habe ich großes Verständnis für den Protestbrief aus den Vereinen. Wir werden bei der Suche nach Lösungen unterstützen.", so Maik Dittberner, Vorsitzender des Kreissportbundes Nordwestmecklenburg.
"Bundesweit die Situation, dass Vereine, Bürgermeister und Kommunen nicht mehr weiterwissen. Eine Lösung muss aber von Bundesebene kommen, denn die Ebenen darunter sind durch die Aufnahmezahlen überlastet. Als Landesportbund stehen wir bei diesem Problem an der Seite der Kommunen.", so der Geschäftsführer des Landessportbundes, Torsten Haverland, der weitere Unterstützung zusagte: "Wir werden prüfen, wie wir helfen können die Vereine zu entlasten und zu unterstützen, wenn es um entstehende Kosten geht."
Als Vertreter der Kreispolitik betonte Thomas Grote die wichtige Rolle der Sportvereine:
"Der Kreistag schreibt dem Ehrenamt und dem Vereinssport einen hohen Stellenwert zu und ich habe Verständnis, dass die Vereine sich an die Öffentlichkeit gewandt haben. Sie sind ein integraler Bestandteil unserer Zivilgesellschaft, auch wenn es um Integration geht. Die Situation vor der sowohl Kreispolitik als auch Vereine stehen, wird eine große Herausforderung.“
Jens Herrschaft, 1. Vorsitzender des TSV Gägelow, kommentiert:
"Wir konnten bereits erste Ausgleiche erzielen. So stellt die Gemeinde Gägelow uns ihre Halle nun auch am Wochenende zur Verfügung und auch das Gemeindehaus. Dennoch ist es gut, dass weitere Lösungswege gesucht werden, denn das Thema wird uns länger beschäftigen."
Und Gerd Almendinger, Präsident des FC Anker Wismar fügt hinzu:
"Im Grunde sind sowohl die Vereine als auch die Verwaltungen angesichts immer neuer Krisen etwas ratlos. Die Koordinierung des Wechselmodells wird eine große Aufgabe und ich kann nur hoffen, dass es gelingt. Ultimativ müssen aber das Land und der Bund darauf reagieren, in welcher Lage sich die Kommunen befinden."
Am Abend soll eine gemeinsame Sitzung mit den Fraktionsvorsitzenden des Kreistages stattfinden, um das Thema auch mit den Vertretern der Kreispolitik weiter zu beraten.
Zwischen Kreisverwaltung und Kreissportbund wird es weitere Arbeitstreffen geben um eine Koordinierungsstelle einzurichten und die hallen- und vereinsübergreifende Verteilung zu organisieren.
Weiterhin müssen Gespräche mit den Trägern anderer Hallen aufgenommen werden. Nach erster Sichtung sind im Raum Wismar durchaus noch Kapazitäten in Schulsporthallen vorhanden. Freie Zeitfenster und Kapazitäten sollen nun zentral erfasst werden.
Ebenso soll versucht werden, im Rahmen eines Wechselmodells einen Teil des Sportunterrichts für die Schülerinnen und Schüler des Berufsschulzentrums Nord in anderen Hallen durchführen zu können.
